Land Steiermark forciert Vorschulklassen
Die Landesregierung setzt zur Entlastung des Bildungssystems in der Steiermark verstärkt auf Vorschulklassen.



Graz (7. Jänner 2026).- Der Schuleintritt stellt nicht nur den Beginn eines neuen Lebensabschnittes für unsere Jüngsten dar, er bringt für jedes Kind und alle Eltern und Erziehungsberechtigten individuelle Herausforderungen mit sich. Um diesen unterschiedlichen Entwicklungsständen bestmöglich gerecht zu werden, müssen auch die Schulstandorte individuell auf die Bedürfnisse der Kinder reagieren können. Die Landesregierung hat sich daher dazu entschlossen, Schulen auf freiwilliger Basis wieder die Möglichkeit zu geben, Vorschulklassen an ihrem Standort mit Unterstützung der Bildungsdirektion einzurichten, wie im Rahmen einer Pressekonferenz im Rittersaal des Landtags Steiermark verkündet wurde.
Konkret wird über einen adaptierten Lehrplan sichergestellt, dass auf die Bedürfnisse von Kindern in den Vorschulklassen optimal eingegangen werden kann. Überdies wird die Absolvierung einer Vorschulklasse der allgemeinen Schulpflicht an- und damit als neuntes Schuljahr zugerechnet. Viele Kinder brauchen Zeit, um besser im Schulalltag und dem neuen Lebensabschnitt, der mit dem Schuleintritt einhergeht, anzukommen. Zeit, um spielerisch Sprache zu erwerben, soziale Kompetenzen zu entwickeln und erste Lernstrukturen kennenzulernen – ohne Leistungsdruck, aber mit pädagogischer Begleitung. Sie sollen noch besser darin unterstützt werden, sich in Gruppen zurechtzufinden, Konflikte zu lösen, zuzuhören und sich auszudrücken. All diese Kompetenzen sollen mit der Absolvierung einer Vorschulklasse besser erreicht werden und den schulischen Alltag, insbesondere in Hinblick auf die Heterogenität in den ersten Klassen, entlasten.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom betont: „Die gezielte Deutschförderung kann nicht zu spät beginnen. Daher geben wir künftig den Volksschulen die Möglichkeit, freiwillig Vorschulklassen einzuführen. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass wir auf frühe Förderung statt späterer Benachteiligung setzen müssen. Jedes Kind sollte zu Schulstart die gleichen Voraussetzungen und gleichen Chancen haben, um das Bestmögliche aus seiner Schulzeit mitzunehmen. Die Einführung von Vorschulklassen ist ein wichtiger Schritt, um benachteiligte Kinder schon früh gezielt fördern zu können. Denn Kinder zu fördern, zahlt sich immer aus.“
„In den vergangenen Jahren hat sich deutlich gezeigt, dass Kinder mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule kommen. Diese Unterschiede betreffen nicht nur sprachliche Kompetenzen, sondern auch motorische Fähigkeiten, soziale Entwicklung, Konzentrationsfähigkeit und emotionale Stabilität. Aufgabe des Lehrpersonals ist es, all diese Unterschiede zu erkennen und Kinder entsprechend individuell zu fördern. Mir ist bewusst, dass Vorschulklassen kein Allheilmittel sind, aber sie sind ein zentraler Baustein auf dem Weg zu einem gerechteren, leistungsfähigeren und inklusiveren Bildungssystem“, so Bildungslandesrat Stefan Hermann im Rahmen der Pressekonferenz.
Die Abteilungsleiterin der Bildungsregion Oststeiermark, Schulqualitätsmanagerin Petra Pieber, erörterte im Anschluss die konkreten Rahmenbedingungen der Implementierung: „Im Auftrag von Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner darf ich die Volksschulen bei der Einrichtung von Vorschulklassen begleiten. Dabei gehen wir in diesem sensiblen Bildungsbereich möglichst behutsam und wertschätzend vor, damit die individuelle Entwicklung unserer Kinder bestmöglich unterstützt wird. Mit der Einführung der Vorschulklassen wird ein pädagogisch durchdachtes Angebot geschaffen, das gezielt auf die unterschiedlichen Entwicklungsstände eingeht: spielerisches Lernen, sprachliche Förderung und soziales Miteinander stehen dabei im Mittelpunkt. Gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Steiermark setzen wir begleitende Maßnahmen, bieten den Schulen konkrete Hilfestellungen und praxisnahe Unterstützung, damit der Übergang der Kinder in den Schulalltag bestmöglich gelingt.“
Als eine der ersten Volksschulen, welche ab dem kommenden Schuljahr eine Vorschulklasse führen wird, strich die Direktorin des Pflichtschulclusters Weiz, Eva Egger-Schinnerl, die Vorzüge des Systems für die Schulstandorte hervor: „Als Pflichtschulcluster VS Weiz und ASO Weiz freuen wir uns sehr, künftig eine Vorschulklasse an unserem Standort anbieten zu können. Damit schaffen wir einen weiteren wichtigen Baustein zur bestmöglichen Förderung der Kinder im Schuleingangsbereich. Dieses Angebot ermöglicht eine bedürfnisorientierte, gezielte und systematische Förderung. Spielerische, rhythmisierte und bewegungsorientierte Lernformen erhalten dabei besonders viel Raum. Der Fokus liegt auf den Basiskompetenzen: Sprache, Motorik, Wahrnehmung und Sozialverhalten. Die Kinder lernen erste Alltags- und Lernstrukturen kennen, die den Übergang in die erste Klasse deutlich erleichtern. Unser Ziel ist es, jedes Kind dort abzuholen, wo es steht, und seine individuellen Stärken zu entfalten.“
Ilse Schmid – Präsidentin des Elternvereins Steiermark – steht ebenso hinter der Initiative der Landesregierung und sieht auch für die Eltern positive Aspekte. „Das Angebot von Vorschulklassen nimmt den Eltern die Last, über den Umweg des ‚häuslichen Unterrichts‘ oder der ‚Frühchenregelung‘ – der gesetzlichen Möglichkeit zur Verschiebung der Schulreife bei zu früh geborenen Kindern – außerschulische Wege zu beschreiten, um ihre Kinder vor einem suboptimalen Schulstart zu bewahren. Wir alle wissen: ‚First impressions go a long way‘", so Schmid im Rahmen ihrer Ausführungen.
Erste Schulstandorte haben sich bereits zur Führung einer Vorschulklasse im kommenden Schuljahr bereiterklärt. Die Bildungsdirektion für Steiermark unterstützt weitere interessierte Standorte bei der Umsetzung.
Graz, am 7. Jänner 2026
Rene Kronsteiner unter Tel.: +43 (316) 877-2283, bzw. Mobil: +43 (664) 1236433 und Fax: +43 (316) 877-2294 oder E-Mail: rene.kronsteiner@stmk.gv.at zur Verfügung.
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